“Was ist ein Wertgerüst wert, das nicht durch die Kraft des Arguments besticht, das ohne staatliche Sanktionierung jeglicher Akzeptanzfähigkeit verlustig geht?”
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EuGMR) hat heute entschieden, dass die katholische Kirche nicht einfach einem Arbeitnehmer kündigen dürfe, nur weil dieser sich geschieden und neu verliebt hatte. 13 Jahre hat der Mann gebraucht, um diese Kündigung als das bestätigt zu bekommen, was sie ist: Ungerechtfertigt und geradezu lächerlich. 13 Jahre, in denen er keinen Job hatte, denn ein Orgelmusiker ist außerhalb der Kirche halt nicht so gefragt. 13 Jahre, in dem ihm die katholische Kirche quasi die Lebensgrundlage genommen hat.
Vor deutschen Gerichten war der Mann in allen Instanzen gescheitert, denn diese sind leider noch sehr kirchenhörig. In Deutschland gelten unzeitgemäße Sonderrechte für die beiden Großkirchen, die dazu führen, dass diese nicht nur Jahr für Jahr knapp 20 Milliarden Euro vom Steuerzahler bekommen, sondern auch im Arbeitsrecht Narrenfreiheit haben. Die Kirche darf diskriminieren und ausnutzen, soviel sie will - die Schutzgesetze gelten für sie nicht. Das war schon lange so und wenn es nach ihnen geht, wird es auch so bleiben. Wer z.B. auf dem Land einen sozialen Beruf ergreifen will, hat meist nur einen kirchlichen Arbeitgeber zur Auswahl. Und da hat man dann Pech, wenn man geschieden ist oder homosexuell oder sich irgendwie anders entgegen der Moralvorstellungen der Kirche verhalten hat.
Es ist offensichtlich, dass dies kein gerechtes System ist und es ist gut, wenn der EuGMR dies auch so festgestellt hat, zumindest für den Einzelfall. Jetzt muss eigentlich der deutsche Gesetzgeber kommen und die notwendigen Konsequenzen ziehen. Aber das wird, fürchte ich, nicht geschehen.
Natürlich erkennt nicht jeder an, dass dies so ist:
Tina Groll schrieb auf ZEIT Online einen schlecht argumentierenden Kommentar dazu, weshalb die Sonderrechte der Kirchen in Ordnung seien. Sie argumentiert, die Sonderrechte müssten gelten, weil dies schon immer so war und die Kirchen dies als moralische Instanzen verdient hätten. Auch der dazu übliche Begriff des "christlichen Wertesystems" fällt dazu natürlich wie auf Knopfdruck. Frau Groll übersieht dabei eines:
Sonderrechte werden gewährt, wenn eine Institution diese verdient hat und dies nötig ist zum Wohle aller. Sie sollten nicht nur deshalb gelten, weil dies schon immer so war. "Des ham mia scho imma so gmocht" mag in Bayern noch eine geläufige Argumentationsformel sein, Grundlage für solche Rechte kann - und darf! - sie es nicht sein. Die Kirchen sind nicht irgendwelche frommen Institutionen, die über den Dingen schweben. Sie sind Unternehmen, die sehr viel Geld haben und sehr viel mehr bekommen - vom Staat (20 Milliarden im Jahr!) und vom Bürger. Und sie sind so groß, dass es in vielen Gegenden für bestimmte Berufe nur kirchliche Arbeitgeber gibt. Der Kirche dann aber das Recht zuzustehen, diesen Menschen den Aufbau einer Existenz zu versagen oder, wie hier geschehen, zu entziehen, das darf ein Staat nicht dulden. Die Kirche kann, wie viele Unternehmen, gerne intern Verhaltensregeln haben. Aber deren Befolgung muss auch genauso gehandhabt werden. Jemanden auf die Straße zu setzen, weil er sich neu verliebt? Das ist kein Recht mehr...
Manchmal geschehen noch Zeichen und Wunder im Land in dem die Kirchen und Religionen noch soviel zu sagen haben. Heute war ein solcher Tag. Die Initiative "Pro Reli", die den allgemeinen Ethikunterricht in Berlin durch wahlweise Religion ersetzen lassen wollte, ist gescheitert. Und das überraschend deutlich: 51,3% der Wähler entschieden sich sogar explizit dagegen, nur 14,2% dafür.
"Pro Reli" hat monatelang gegen den Ethikunterricht in Berlin mobil gemacht, man könnte fast sagen gehetzt. Kirchen, Politiker wie Angela Merkel und die CDU und die gesamte Springer-Presse (siehe BILDBlog haben unermüdlich geschrien, dass die Initiative nötig sei, um die "Freiheit" zu bewahren. Kein Wort davon, dass Religion ja trotzdem angeboten wird...nur halt auf freiwilliger Basis. Dass dort immer weniger Schüler hingehen ist das Versagen der Kirchen und das wollten sie kaschieren, indem sie es zur Pflicht machen. Und das ab der 1. Klasse, nicht wie Ethik ab der 7. Klasse. Die Entscheidung in Berlin ist eine befriedigende Antwort der Wähler auf solche Kampagnen und eine Niederlage nicht nur für "Pro Reli", sondern auch für die Kampagnen der Springer-Presse und der CDU in der Hauptstadt. Denn der Wähler ist nicht so dumm wie manch einer der Befürworter gedacht hätte. Zum Glück.
...um manche solcher Sänger zu mögen. Motörhead-Sänger Lemmy Kilmister zum Beispiel. Der hat nämlich im Interview mit der SZ folgendes passendes gesagt:
SZ: Ist Motörhead böse? Kilmister: Die Welt ist böse. Motörhead tritt dir nur in den Arsch. Motörhead ist eine Rock-'n'- Roll-Band. Wir sind nur Hintergrundmusik. Wieso sind wir böse? . . . Wieso ist nicht die Kirche böse?
SZ: Die Kirche? Welche? Kilmister: Alle. Was für ein Wahnsinn, den Leuten zu erzählen, Maria ist jungfräulich niedergekommen. Armer Josef, oder? Und Jesus? Stirbt am Kreuz und steht wieder auf? Wahnsinn! Wahnsinn!!
SZ: Es ist eher bildlich . . . Kilmister: Sag einem wiedergeborenen Christen in den USA, dass das bildlich gemeint ist - der rastet aus und überfällt Mexiko! Ich meine, Leute, die Länder regieren, ernstzunehmende Länder, keine Voodoostämme, okay?, diese Leute behaupten tatsächlich, dass all' diese sagenhaften Märchen aus der Bibel stimmen! Sie berufen sich darauf, wenn sie politische Entscheidungen treffen, gegen Kondome, gegen Aids-Aufklärung, Reagan sah Aids als gerechte Strafe. Das ist schlimm, mein Lieber! Die Leute schwören auf die Bibel. Das ist, als ob du mit einem Piloten fliegst, der Gespenster sieht!
SZ: Johann Sebastian Bach wäre ohne die Kirche gar nicht vorstellbar. Kilmister: Absoluter Unsinn.
SZ: Aber doch! Kilmister: Unsinn. Bach wäre ohne Transzendenz nicht vorstellbar. Die Kirche hat ihn benutzt. Und er hat sich benutzen lassen. So war'n die Zeiten. Die Leute mussten ja von was leben. Cheers!
SZ: Jedem seinen Glauben, oder? Kilmister: Ich hab' keine Bibel in der Hand. Bush hat eine, Blair hatte eine, Saddam wedelte mit dem Koran rum, die Schlächter in Srebrenica konnten auch auf die Liebe ihrer Kirche zählen, als sie die Leute da reihenweise massakrierten . . .
SZ: Die Kirchen sind nicht aus Prinzip böse. Kilmister: Die Leute haben eine Scheißangst vor dem Tod. Es könnte sich der Verdacht ergeben, dass die ganze Plackerei sinnlos ist, oder? Da wir ja eh alle zur Hölle fahren. Die Kirchen ködern diese Leute mit Märchen und machen sie verrückt, Mann! Wenn du schön brav bist, bist du nicht tot, sondern nur in Gottes Armen. So - wer ist nun wahnsinnig? Ich oder die Weihrauchschwenker?
Der Begriff Leitkultur ist sowieso so ein Lieblingsbegriff der Union. Die CSU verwendet ihn auch, Anlass diesmal: Die Grünen haben es gewagt, das Konkordat des Freistaats Bayern mit der katholischen Kirche (geschlossen Anno 1924) in Frage zu stellen und zu fordern, dass man es gefälligst neu verhandle. Es könne, so die Grünen, ja nicht sein, dass der Steuerzahler die Gehälter der Priester bezahle (so kriegt der Münchner Bischof Marx allein 10000€ / Monat, wofür auch immer). Das passt der CSU aber nicht und sie nennt es einen Angriff auf die "christliche Leitkultur". Soviel zur Trennung von Kirche und Staat in Bayern. Man kann nichtmal mehr riesige Transferleistungen in Frage stellen, ohne in der Öffentlichkeit als "religionsfeindlich" dargestellt zu werden. Kein Wunder, dass die Kirchen an Popularität verlieren...wenigstens den Vorteil hat es...
Eine oftmals geäußerte Behauptung in Grundgesetz-Kommentaren lautet, dass Art. 4 I GG nicht nur die positive Religionsfreiheit schütze, sondern auch die negative in exakt dem selben Maße. D.h. das Recht, keine Religion zu haben und dieses auch so anerkannt zu bekommen. Das dass so nicht stimmt, ist lang bekannt. Atheisten zahlen, genau wie alle anderen Nicht-Christen über allgemeine Steuern die Großkirchen mit und Kinder können sich sowieso nicht wehren und erst mit 14 selbst entscheiden. Wenn also so ein Kind gezwungen wurde, in eine Kirche einzutreten, ohne seinen Willen natürlich (denn Babies können ihn nicht artikulieren) und dieses Kind sich als Erwachsener entschließt, diese Mitgliedschaft zu beenden, dann muss es in den meisten Unions-regierten Ländern dafür bezahlen! Und zwar dafür zu dokumentieren, was eh schon bekannt ist, nämlich dass diese Person nicht Kirchenmitglied sein will.
Das Bundesverfassungsgericht, Hüterin der Verfassung und Büttel der Staatskirchen, hat heute entschieden, eine Beschwere dagegen nicht zur Entscheidung anzunehmen. Denn, so sagt es, es sei nicht verfassungsrechtlich zu beanstanden, dass die Kosten für den Austritt dem Austretenden zur Last gelegt werden, obwohl er keinerlei Schuld daran hat, dass er als Kirchenmitglied geführt wurde. Die Tatsache, dass es eine Hürde darstellt, die es Leuten ein wenig erschwert, ihr Recht wahr zu nehmen bleibt genauso ignoriert wie die Tatsache, dass z.B. eine Meldung über einen Wohnortwechsel, der genauso bürokratischen Aufwand darstellt, in keinster Weise bezahlt werden muss.
Trotz aller Beteuerungen, eine wirkliche negative Religionsfreiheit gibt es in diesem Lande also weiterhin nicht. Denn so lange selektiv die beiden Großkirchen geschützt werden, kann es eine solche nicht wirklich geben. Doch dies zu ändern ist dann doch auch nicht möglich, obwohl beiden zusammen nicht mal mehr 2/3 der Deutschen angehören...ein Drittel wird also weiterhin benachteiligt...
Zwei kleine witzige Vorfälle, die in das Thema "Religion" passen.
Gestern hab ich auf dem Weg zur Mensa von einer dieser Christinnen, mit Gitarre auf dem Rücken, einen Flyer bekommen. Einen Zettel mit dem Thema "Zurück zum Kindheitsglauben". Die Witzigkeit dieser Tatsache lässt sich leicht zusammenfassen: Eine Gruppe von Menschen, deren Glauben quasi daraus besteht, Angst vor einem Weihnachtsmann mit langem Bart zu haben, der dich jederzeit beobachtet und dann entscheidet, ob du was Gutes bekommst oder was schlechtes möchte zurück zum "Kindheitsglauben"...was ist es denn sonst außer genau das?
Und heute saß ich in der U-Bahn und zwei lustige Mormonen (weiblich) sind eingestiegen. Und mein iPod hat genau dann das Lied "Jesus stole my baby" begonnen. Talk about Timing ;-)
Das wäre eine Nachricht, bei der die Politiker aller Parteien, in typischer Aldi-und-Co-Bashing-Mentalität, auf den Arbeitgeber einkloppen könnten und sollten: SPON: Kirchen-Mitarbeiter müssen Hartz IV beantragen.
Das werden sie aber nicht tun, denn vor der Kirche buckeln sie dann doch alle, egal wie schlecht die ihre Leute behandelt (denen auch keine AGG-Rechte zustehen übrigens). Scheinheilige Doppelmoral, aber leider die Realität...
Am Freitag ist bekanntlich "Karfreitag" (oder auch nicht bekanntlich, ich wussts vor paar Tagen auch nicht. An dem ist es im achso katholischen Bayern verboten, sich zu amüsieren, egal ob man Christ ist oder nicht. Deshalb hat der Innenminister auch schon klar gemacht, er werde es nicht tolerieren, dass ein paar Freigeister hinter geschlossenen Türen, privat Feiern. Das könne ja schließlich nicht sein.
Wie die letzten Jahre auch interessiert er sich natürlich nicht für all die Clubs, die wie die Nachtgalerie in München, offen damit Werbung machen, an dem Tag feiern zu wollen. Aber die kritisieren ja schließlich auch niemanden, sie ignorieren das Verbot einfach. Nicht dass ich jetzt behaupten will, es werde mit zweierlei Maß gemessen...
Stellen Sie sich vor, Sie lassen einen vorbestraften Pädophilen, entgegen aller Ratschläge von Experten, Kollegen und Richtlinien, wieder mit Kindern arbeiten und prompt vergeht der sich wieder an diesen: Würden Sie meinen, eine (Mit-)Schuld an diesem Vorfall zu haben? Nein? Dann sind haben Sie mit dem Regensburger Bischof Müller beste Gesellschaft. Der glaubt nämlich nicht, dass er Schuld daran (mit-)trägt, dass ein von ihm wieder auf Kinder losgelassener, vorbestrafter, pädophiler Priester sich wieder an Kindern vergangen hat. Die Überheblichkeit vieler katholischer Würdenträger ist schon extrem verwunderlich. Sie hat aber zum Vorteil, dass sich immer mehr Menschen von dieser Kirche lossagen werden dürften.
Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend will offensichtlich noch zwei Geschäftsbereiche mehr: Religion und Zensur. Denn das BMFSFJ hat sich mit einem Antrag auf Indizierung des religionskritischen Kinderbuchs "Wo bitte geht's zu Gott? fragte das kleine Ferkel" an die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) gewandt. Darin wird ausgeführt, dass der Autor, Michael Schmidt-Salomon, der oft genug als jüdischer Intrigant verdächtigt wurde, in dem Buch antisemitische Tendenzen verwirklicht, weil er einen Rabbi die Sinnflut-Story bestätigen lässt. Dass das nur Kritik an einem alten Buch ist und kein Angriff auf Juden wird dabei wohl bewusst ignoriert.
Ausführlich mit Kopie des Zensur-Antrags auf hpd-online.
Update (1.2.08, 12:15 Uhr): Michael Schmidt-Salamon muss einen Dankesbrief an das Ministerium schicken: Die Zensurbestrebungen und die damit verbundenen Reaktionen (die Religionsgemeinschaften sind, wen wunderts, für eine Zensur) haben dazu geführt, dass viele Leute erstmals von dem Buch erfahren haben und es jetzt kaufen, bevor es vielleicht indiziert wird. So ist es von Platz 50 bei Amazon mittlerweile auf Platz 1 der Bestsellerliste geklettert. Wer Kinder hat oder beschenken will, sollte sich überlegen, sich den Käufern anzuschließen bevor Ursel mit ihrer Zensur wirklich durchkommt.
Mal wieder die Dokumentation, die das ARD bereits 2002 im Rahmen der Sendung "Panorama" ausgestrahlt hat - Man kann nicht oft genug darauf hinweisen. Wenn ich Leuten erzähl, dass der Staat eigentlich der Kirche das Geld in den A**** schiebt, halten die mich für verrückt. Oder glauben ich übertreibe, womöglich aus persönlichen Gründen. All diejenigen sollen sich mal die folgenden Videos angucken:
Ich betätige mich zur Zeit irgendwie als Autor, aber ich weiß nicht, ob das wirklich zu was führt, also frag ich mal nach unter den Leuten, die hier vllt. mal vorbeigucken, was sie davon halten. Bitte um Feedback!
Man schrieb das Jahre 1936 und in Spanien regierte eine sog. "Volksfront"-Regierung, die sich aus bürgerlichen Parteien und Kommunisten zusammenfügte. Es mag nicht die beste Regierung gewesen sein, nicht die gerechteste oder sozialste, aber es war die Regierung, die Spaniens Wähler demokratisch gewählt hatten. Gegen diese Regierung putschte der faschistische General Franco mit Hilfe konservativer Kräfte, was zum Spanischen Bürgerkrieg, der Niederlage der Republik in selbigen und einer 36 Jahre dauernden Diktatur führte.
Die katholische Kirche war damals klar auf Seite der Putschisten, zumindest die Amtskirche, natürlich gab es auch Pfarrer, die auf Seiten der Republik agierten und kämpften. Die Mehrheit war aber, wie zu erwarten, auf Seiten der faschistisch-nationalistisch-konservativen Putschisten und unterstützte sie nicht nur mit Worten, sondern zum Teil auch mit Taten, mit Priestern, die aktiv kämpften und agitierten. Und natürlich auch im Kampf fielen oder von der legitimen Regierung als Landesverräter hingerichtet wurden.
Der Vatikan ist offensichtlich bis heute der Meinung, dass diese Feinde der Republik in der katholischen Kirche, die aktiv einen faschistischen Putsch unterstützt haben und dafür ihr Leben ließen, zu verehren seien, denn im Nachhinein sieht sich die Kirche als Opfer des Bürgerkriegs (ähnlich wie beim NS-Regime in Deutschland, dass sie nach dem Krieg viel vehementer abgelehnt haben will als ihre Handlungen in dieser Zeit es belegen). So erhebt der "deutsche" Papst am heutigen Sonntag 498 getöte Geistliche in den Stand der Verehrung - davon kein Einziger, der von Franquisten getötet wurde (die es natürlich auch gab). Stattdessen erklärt der oberste Medizinmann der Katholen seinen Anhängern, dass diese Geistlichen, die fast ausnahmslos Gegner einer demokratischen, republikanischen Regierung waren und auf Seiten von Faschisten gekämpft haben, Objekte besonderer Verehrung darstellen würden. Die Botschaft, die damit gesendet wird, ist leider nicht so klar, wie man meinen möchte: Selig ist der, der gegen Demokratie und für Diktatur kämpft. Das ist die Quintessenz dieser Seligsprechungen und das einzig Skandalöse ist eigentlich nur, dass das in den Medien so nicht klar hervorgehoben wird.
Die katholische Kirche ist bekanntlich die Hüterin von Moral und Anstand, vorausgesetzt es handelt sich dabei um ihre Moral und ihren Anstand. Dem deutschen Fernsehen ist es frei, alles zu senden, was sie wollen, solange es sich nicht gegen die Kirche richtet. Wenn schon, dann entfesselt sie eine Wut und drischt mit voller KRaft auf alles ein, dass es wagt, ein wenig Witz oder Kritik zu üben, wie es zum Beispiel bei Popetown der Fall war. Gebracht hat es bekanntlich damals nur, dass mehr Leute als vorher davon wussten und es jetzt schon allein aus Neugier sehen wollten.
Und wiedereinmal hat sich MTV den Zorn der heiligen einzig wahren katholischen Super-Kirche von Gottes Gnaden zugezogen. Der Musiksender wagt es nämlich, eine Veranstaltung namens "MTV Europe Music Awards" in München hosten zu wollen. Das bedeutet einiges an Prominenz und gewiss viele kreischende Teenies. Das wäre auch schön und gut, aber MTV hat es gewagt, das Ganze für den 1. November anzusetzen. Und das ist für die Katholen ein Feiertag. Und weil wir in Bayern sind, ist ein Feiertag für die Katholen automatisch auch ein solcher für alle anderen, ob sie wollen oder nicht.
MTV möchte an diesem Tag also etwas tun, was Katholiken(!) verboten ist. Und weil die katholische Kirche glaubt, ihre Vorstellungen sind die einzig wahren, müssen sich nach ihrer Logik gefälligst auch alle anderen daran halten. Und weil die Stadt München das nich so sah und MTV eine Genehmigung erteilte, wollen sie jetzt dagegen vorgehen. Zwar geben sie selbst zu, dass es wohl nicht klappen dürfte, es rechtlich zu verhindern, das hindert sie jedoch nicht an ihrer Logik festzuhalten. Weil Allerheiligen ein "stilles Fest" sei, müsse das auch so sein, auch wenn man damit halt diese dummen Nicht-wirklich-Kirchen wie Protestanten, diese Minder-Religionen Judentum und Islam und diese blöden Heiden benachteilige. Im Namen der einzig wahren Kirche sei das schon in Ordnung...
oder: Wieso man dieser Tage stolz sein kann, Österreicher zu sein
Dieser Tage besucht der "deutsche" Papst Benedikt XVI, a.k.a. Großinquisitor a.D. Joseph Ratzinger, Österreich. Die katholische Kirche nahm wohl an, dass Österreich einen bayerischen Papst quasi als schon fast österreichisch ansehen würde und hoffte daher auf einen "Wir sind quasi auch Papst!"-Effekt. Doch da scheinen sich die kirchlichen Granden wohl verrechnet zu haben. Meine Landsleute scheinen sich, im Gegensatz zu ihren deutschen Pendants, von den Massenmedien nicht verrückt machen oder irritieren lassen. 82% der Österreicher, so schreibt die SZ, messen dem Besuch des obersten Medizinmannes der katholischen Kirche geringe oder keine Bedeutung zu, bei den unter-30-jährigen sogar 96%. "Der Papst kommt, na und?" scheint die Meinung zu sein.
Auch sonst ist die vielbetonte Katholizität des Landes am bröckeln. Waren es vor einigen Jahren noch 90%, so gehören der Kirche im Land auf dem Papier gerade noch 70% an. Die wirkliche Verbundenheit der Leute wird wohl noch viel geringer sein. In der Hochburg der Sozialdemokratie (und damit der Gottlosigkeit), Wien, sank die Zahl der Katholiken mittlerweile sogar unter 50%.
Am interessantesten sind aber noch andere Zahlen, die im Bezug auf die Propaganda-Reise des Papstes erhoben wurden: So erachten 60% der Österreicher den Papst für irrelevant in moralischen Fragen und bei der Glaubwürdigkeit kommt vom Chef-Inquisitor zum Friedenspapst gewandelte Ratziger nur auf Platz 4 - hinter dem Dalai Lama, Angela Merkel(!) und Arnold Schwarzenegger(!!!). "Du bist unglaubwürdiger als Angela Merkel!" - Also wenn das keine Beleidigung ist, dann weiß ich auch nicht.
Wenn ich solche Nachrichten lese, bin ich doch froh, Österreicher zu sein. Im Endeffekt beweist es eine den meisten Deutschen überlegene Intelligenz, denen beim Ratzi-Besuch mit offenen Mund der Sabber entwich. Die Österreicher sind herzlich uninteressiert, was dieser Typ denn bei ihnen macht und das ist auch gut so.
Ich bin ja generell kein großer Freund des Islams, genauso wenig wie anderer Religionen halt. Da der Islam ja den selben Gott wie Juden und Christen anbetet, ist es auch eigentlich das Gleiche, nur halt mit anderen völlig absurden Ritualen.
Die bayerische Staatsregierung, tief vom Gedanken des Katholizismus als einzig wahre Religion und dem Protestantismus als Beigabe für nördlichere Wähler getragen, sieht das ähnlich, wenngleich aus anderen Gründen. Für die ist die Ablehnung des Islams eine Ablehnung unerwünschter Konkurrenz und Ausländer, weil ja die meistens Moslems sind. Meint die Staatsregierung. Als eine islamische Gemeinde deshalb in München ein Schulungszentrum für Imane gründen wollte, war die Regierung wenig begeistert. Möglicherweise hatten sie Angst, sie müssten das wie die Ausbildung christlicher Pfarrer aus Steuermitteln bezahlen. Wahrscheinlicher ist aber, da die islamische Gemeinde ja keine Hochschul-Professur forderte, dass sie vor irgendwelchen Islamisten-Connections Angst hat. Nun mag es ja auch sein, dass die Gemeinde, die als recht offen und moderat gilt, mit Moschee-Führungen und Deutschkursen für Frauen, ja wirklich was mit islamistischen Extremisten am Hut hat. Aber zwei Gründe sprechen dafür, es zu erlauben:
1.) Die Gleichbehandlung vor dem Gesetze. Entweder muss jede Religion oder keine Religion das dürfen. Na gut, eigentlich erfordert Art. 3 GG in dem Fall sogar, dass der Freistaat das Ganze wie bei den Christen auch bezahlt. Aber schon aus Art. 4 GG ergibt sich das Recht, dass jede Religionsgemeinschaft ihre Priester ausbilden darf. Gehört ja quasi meistens dazu^^
2.) Die Integration. Zur Zeit werden die in Deutschland eingesetzten Imane im Ausland ausgebildet, mit was weiß ich was für Ansichten und Kenntnissen. Sie kommen in fremde Gemeinden und sollen dort einen Islam predigen, der mit dem Grundgesetz im Einklang steht? Abgesehen davon, ist eine Ausbildungsstätte mitten in München einfacher zu überwachen als eine solche in irgendeinem islamischen Land. Wenn die also wirklich Verbindungen zu Islamisten haben, dann wäre es für die Sicherheit des Landes besser, wenn man genau weiß, wo die Verdächtigen sitzen. Offensichtlich hat das Innenministerium nicht soweit mitgedacht...
Der Blog-Eintrag "HTC Desire, Vodafone und Frust über Updates" mit der Anleitung, wie man das HTC Desire einfach debrandet und auf Android 2.2 (Froyo) updated befindet sich wegen der großen Nachfrage nun auf einer eigenen statischen Seite. Bitte entschuldigt die Unannehmlichkeiten durch den kurzzeitigen Ausfall der Seite!
Random Quote
""Da sitzt einer im Panzerglastresor und predigt Gottvertrauen. Dem glaub ich doch alles!""