Ich meine, bei aller Bemühung, man kann sich schlecht mit der Bahn solidarisieren. Nein, wirklich, nachdem ich Dank des GDL-Streiks heut um halb sechs morgens aufstehen musste, hab ichs versucht. Aber es geht einfach nicht, dafür stellt sich die Bahn zu blöd an: Sie schaltet mehrseitige Anzeigen, die die GDL beschimpfen (dafür ist also Geld da?), der Aufsichtsrat (der sich selbst eine 20%-Gehaltserhöhung gegönnt hat) stellt sich (oh Wunder) einhellig hinter Mehdorn und die Bahn hat bereits versucht, der GDL gerichtlich Streiks zu verbieten. Das hat bekanntlich nicht geklappt, deshalb hat die Bahn jetzt eine neue juristische Idee:
Sie will die GDL auf Schadensersatz verklagen! Die Gewerkschaft solle der Bahn die entgangenen Gewinne und die Verluste ersetzen, weil sie die Friedenspflicht gebrochen habe. Inwieweit dass die GDL zum aufhören zwingen soll, ist mir schleierhaft. Wenn es jedoch Mehdorns Ziel ist, die GDL möglichst heroisch dastehen zu lassen, dann erreicht er das mit solchen Aktionen sicherlich sehr gut. Die Lokführer, die um Erhöhung ihrer wirklich geringen Gehälter gegen den Staat (der ja Eigentümer der Bahn ist!) kämpfen, werden so zu Sympathieträgern - selbst bei denen, die durch die Streiks stundenlange Probleme haben. Selbst Goliath war wohl beliebter als es Mehdorn und die Bahn dieser Tage sind...