Die katholische, die evangelische und die juristische Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität laden am 16. Juli zu einem sog.
Lichthofgespräch mit Bundesjustizministerin Brigitte Zypries ein. Thema: "Religion und Demokratie - unzertrennbar oder unvereinbar?" Während jeder Kenner der Kirchengeschichte automatisch letzteres sagen würde, bin ich mir nicht so sicher, dass das auch das Ergebnis dieses Gesprächs sein wird. Neben der Genossin Zypries, deren religiöse Hintergründe mir nicht bekannt sind (die aber sicherlich in diesem Land nicht offen atheistisch/agnostisch sein dürften - man kläre mich auf, falls ich mich irre), nehmen daran teil: Der Studiendekan der juristischen Fakultät,
Dr. Ulrich Schroth sowie Professor Dr. Konrad Hilpert, der Dekan der Katholiken und ein gewisser Matthias Belafi (der Promovend zum Thema "Die Kirche und die Europäische Verfassung" ist) teil. Auffällig ist allein schon, dass die Moderation von Mitgliedern der evangelischen Fakultät übernommen wird und nicht von Neutralen. Auch, dass kein Vertreter der Gegenseite, wie dem IBKA oder dem bfg geladen wurde, sondern nur Juristen oder Kirchenfreunde (von Herrn Belafi abgesehen, dessen Haltung nicht klar erscheint).
Doch auch die Fragestellung ist schon entlarvend wertend und subjektiv. Ich zitiere:
Spiegelte bisher das deutsche Recht als auch die Gesellschaftspolitik maßgeblich die kulturell vermittelte und historisch verwurzelte christliche Werteüberzeugung wider (Tat sie das? Pure Behauptung und wie bekannt, falsch.), stellt die fortschreitende Europäisierung und die damit zunehmende religiöse Vielfalt in unserem Land dies in Frage (Fehlschluss aufgrund falscher Prämisse). Eignet sich die Religion länger als einzige oder zumindest vorrangige Quelle unserer Gesellschaftswerte? (Die Frage ist eher: Hat sie sich das jemals?) Ist es nicht vielmehr das Recht selbst, das Wertemaßstab, Garant und Grundlage unserer Gesellschaftspolitik ist? Ist ein Gottesbezug in der deutschen und der europäischen Verfassung zeitgemäß? Eine wissenschaftlich fundierte (i.e. obige Behauptungen stützende) und spannende Podiumsdiskussion verspricht, zur Klärung dieser Fragen beizutragen. In Anschluss wird Gelegenheit für eine Diskussion (Moderiert von Vertretern der einen Seite!) im Plenum gegeben. Zum Lichthofgespräch im AudiMax der LMU (Geschwister-Scholl-Platz 1) sind Sie herzlich eingeladen.
Ich überlege mir noch, ob ich da hingehen soll, denn die Wahrscheinlichkeit, dass eine wirklich neutrale Diskussion möglich sein wird, halte ich für relativ gering. Bei den Ausgangspositionen! Aber das ist wohl das, was man hierzulande als neutrale Diskussion ohne jegliche Voreingenommenheit versteht.
Ich stelle an dieser Stelle mal folgende Prophezeiungen an dazu: 1.) alle werden mehr oder minder sagen, wie toll doch die Kirche sei, 2.) werden sicher einige, wenn nicht alle die Behauptung wiederholen, die Grund- und Menschenrechte seien Ausfluss des "christlichen" Menschenbildes, 3.) wenn ich teilnehme und kritische Fragen stellen sollte, werde ich Worthülsen und Phrasen kriegen. Aber das war gestern beim Beckstein nicht anders...
Ich habe ja darauf hingewiesen gehabt, dass die LMU, meine Uni, am gestrigen Tage eine "Diskussion" zum Thema "Demokratie und Religion - Unvereinbar oder unzertrennbar?" hatte. Die Anführungszeichen bei "Diskussion" sind gerechtfertigt, denn im Ende ware
Aufgenommen: Jul 17, 10:29