Nun ist sie also frei, Brigitte Mohnhaupt, eine der letzten RAF-Terroristinnen, mit der der deutsche Rechtsstaat seinen Frieden gemacht hat, streng nach dem eigentlich selbstverständlichen Satz, dass vor dem Gesetz alle Menschen gleich seien. Nun hat diese Freilassung zwei Besonderheiten: Zum einen musste es nachts um zwei Uhr geschehen, weil Heerscharen von Paparazzi, die nicht wahrhaben wollen, dass die Frau doch nicht "durch Talkshows tingelnd" eingestellt sei und klar gesagt hat, dass sie mit diesen Leuten nicht reden will. Umso bemerkenswerter, dass dennoch einige dieser Spezies vor dem Gefängnis vor der Lauer lagen, man könnte fast an Raubtiere denken, die nur auf ihre Beute warten. Zum anderen meldeten sich die üblichen Verdächtigen zu Wort: Die BILD titelt groß etwas von wegen "Schlimmste Terroristin ist frei - wie kann das sein?????" und
erfindet auf Bild.de dazu eine lustige Story, die keiner anderen Zeitung bekannt ist offensichtlich und damit wohl zu Recht als erfunden bezeichnet werden kann. Und aus München meldet sich, wie sollte es anders sein, Edmund Stoiber zu Wort und nennt die Freilassung "eine Provokation für das Rechtsgefühl der breiten Mehrheit". Edmund Stoiber ist Jurist und belegt damit wieder Vorurteile, dass Juristen die Wahrheit recht egal ist. Denn, Herr Stoiber, das Rechtsgefühl der breiten Mehrheit hat keinen Platz in Entscheidungen einer unabhängigen Justiz. Das macht den Unterschied aus zwischen Rechtsstaat und Lynchjustiz. Letztere hat bei uns, zum Glück, keinen Platz mehr. Auch wenn das Edmund Stoiber anders sieht.
Update: Der BILDBlog
bestätigt meine Vermutung, dass o.g. Story frei erfunden ist.