Ein UN-Berichterstatter reist durch unser Vorbilds-UN-Land und möchte sich informieren, wie es denn so aussieht, in bestimmten Bereichen, in diesem Fall beim Menschenrecht auf Bildung. Er wird von der Bundesregierung unterstützt und spricht mit allen wichtigen Leuten darüber, liest dutzende Akten und schreibt dann einen Bericht darüber, den er dann der UN-Menschenrechtskonferenz in Genf vorlegt. Klingt nach Routine.
Tatsächlich enthält der Bericht auch nicht viel neues. Er ist, wie zu erwarten, eine Abrechnung mit dem miesen Bildungssystem des Landes, er kritisiert die viel-zu-frühe Auslese nach dem vierten Schuljahr, bei der Kinder aus armen Haushalten, Kinder mit Behinderungen und solche mit Migrationshintergrund systematisch benachteiligt werden, wie auch die sonstigen Hürden, die diesen Kindern im bundesdeutschen Bildungssystem entgegenstehen. Alles Dinge, die Bildungsexperten seit Jahren und Jahrzehnten bemängeln.
Interessant ist die Aufregung, die dadurch erzeugt wird. Ausgerechnet Lehrer- und Elternverbände, die am meisten profitieren würden, wenn die 16 Landesregierungen zur Vernunft kämen, kritisieren den Bericht. Das ist zu erwarten, denn der Bericht stellt auch ihnen ein schlechtes Zeugnis aus und wenn die Kinder ungebildet sind, dann sind auch z.T. die Lehrer dran schuld. Ändern aber tut es nichts daran, dass die Kritik begründet und berechtigt ist. Ändern wird es aber wohl auch nichts, denn vor allem die Union war in Bildungsfragen schon immer beratungsresistent.