Manchmal, wenn man morgens so Zeitung liest, wünscht man sich, dass man jedem Akteur des politischen Geschehens bei Bedarf etwas zurufen/zuflüstern könnte. Zitieren wir einen kurzen Part der heutigen SZ:
Wenn es die von Stoiber angestrebte einvernehmliche Lösung nicht gebe, sei eine Kampfabstimmung auf dem Parteitag im September ,,das Normalste auf der Welt‘‘, fügte der stellvertretende CSU-Chef [Seehofer, Anm. d. Red.] hinzu: ,,Das muss doch eine demokratische Partei aushalten.‘‘
Sie haben ja recht, Herr Seehofer, eine demokratische Partei dürfte ein demokratisches Verfahren aushalten. Nur ist es wenig gelogen, wenn man darauf hinweist, dass die CSU nicht wirklich viel Erfahrung mit demokratischen Vorgängen hat. Sie undemokratisch als Ganzes zu nennen wäre wohl etwas übertrieben (und würde mir wohl eine Verleumdungsklage bescheren), jedoch entspricht es sehr wohl den Tatsachen, wenn man schreibt, dass die CSU sehr selten sich demokratisch gibt und lieber in Hinterzimmern und unter den Spitzen ausmauschelt, wer denn welchen Posten bekommen soll. Allein die Tatsache, dass jetzt alle machthungrigen CSU-Politiker warnen, eine Kampfabstimmung würde die Partei spalten, zeigt ja bereits,
wie sehr die Parteioberen demokratische Verfahren verabscheuen müssen. Ich rufe ihnen also hiermit zu, Herr Seehofer, auch wenn sie es nie hören werden:
Sie sind in der falschen Partei, wenn sie glauben, demokratische Verfahren, wie die Abstimmung eines Parteitages über die Parteispitze, lägen in der Natur der CSU! Sie wären wünschenswert, ja, aber viel Erfahrung oder Engagement in der Richtung existiert bei der CSU einfach nicht. Harmonie war schon immer wichtiger...