Geschrieben von SoWhy in
Politik for Dummies | Donnerstag, 25. Januar 2007 |
oder: Wie es manchmal besser wäre, Fehler einzugestehen.
Josef "Seppi" Schmid, der OB-Kandidat der CSU für München, soll, so hab ich mir sagen lassen, ein sympatischer Mensch sein. Bereits 2004 hat ein Kumpel von mir, Mitglied der CSU, gesagt, dass er wohl antreten wird. Schmid ist, nach außen sichtbar zumindest, unbelastet vom System "Münchner CSU", das sonst nur mit Mitgliederkauf, Hohlmeier, Streit und undemokratischen Methoden von sich zu reden machte, gilt als integer, ein "frischer Wind" für die Münchner CSU, deren Zeit in der Opposition der der BayernSPD im Freistaat gleicht. So sagt man zumindest.
Seit Schmid als Kandidat gekürt wurde, um als junger, dynamischer Konkurrent den alten Ude herauszufordern, hat er weniger positiv von sich zu reden gemacht. Er wurde von Ude in einer Stadtratsdebatte kalt erwischt, verpasst das 3-Königstreffen der eigenen Partei ohne vorab seiner Partei Bescheid zu sagen und ähnliches. Der letzte Patzer betraf eine interessante Rechnung des Seppi Schmid, nach der die Stadt 200 Millionen sparen sollte, die man dann in Kindergärten stecken könnte. Abgesehen davon, dass die Stadt sowieso Kindergärten und -krippen wie blöd baut (im Gegensatz zum Freistaat), wollte Schmid sich damit als Familienpolitiker profilieren. Das ging nach hinten los, denn die Zahlen, mit denen Schmid rechnete, waren irgendwie aus der Luft gegriffen und, so bestätigte die Stadtverwaltung jetzt, um ca. 257 Prozent übertrieben. Anders gesagt, um Schmids Pläne auszuführen, müsste die Stadt 5000 Beschäftigte entlassen, das will natürlich auch der Arbeitsplatzschaffer Schmid auch nicht.
Man mag sagen, Fehler macht jeder und da stimm ich zu. Die wahre Größe zeigt sich ja auch bekanntlich nicht darin, Fehler zu machen, sondern genau dies einzugestehen. Doch diese Lektion an grundsätzlicher Ehrlichkeit scheint an Schmid und seinen Parteikollegen vorbeigegangen sein. Während er selbst im Stadtrat recht sprachlos war, nachdem man ihn darauf hingewiesen hat, haben seine Kollegen versucht, die Sachen anders zu deuten, generell war nämlich nach ihrer Logik alles im Konjunktiv. Nunja, auch im Konjunktiv funktionieren die Pläne nicht. Doch anstatt einfach zuzugeben, dass man aus Versehen falsche Zahlen verwendet hat, versucht Schmid zu behaupten, er hätte nicht gesagt, was jeder interessierte Journalist gehört hat. Dass diese Strategie nicht aufgeht, müsste aber selbst ihm klar sein.