...mag sich Edmund Stoiber denken. Denn der Ministerpräsident und CSU-Chef auf Abruf hat jetzt mit drei Leuten zu kämpfen, die ihn auf zwei Ämtern beerben wollen. Wenn es nach Stoiber ginge, würde ihn wohl keiner beerben, doch der sonst so beratungsresistente hat sich tatsächlich einmal dem Willen der Mehrheit unterworfen und (anders als nach der letzten Landtagswahl) auch das getan, was die Mehrheit wollte. Bleibt abzuwarten, ob er seine Versprechen, nämlich dass man ihn bis Ende September los sei, auch einhalten wird. Denn beim tatsächlichen Umsetzen der Ankündigungen ist Edmund Stoiber noch etwas lernbedürftig (wie u.a. die letzte Landtagswahl gezeigt hat).
Selbst wenn dies die Ära Stoiber beenden sollte, ändert sich für die demokratisch gesinnten Menschen Bayerns nicht viel. Ihr Ministerpräsident wird weiter ohne öffentliche Mitbestimmung (nicht mal mit Mitbestimmung der Parteibasis der CSU) hinter verschlossenen Türen ausgekungelt und einen Einfluss darauf hat der bayerische Wähler nicht. Das klappt, weil die meisten bayerischen Wähler bekanntlich essen, was ihnen die CSU serviert, egal wie eklig das Gericht ist. Mit dem wenig jüngeren Hardliner Beckstein bekommt Bayern daher das, was es schon hatte in neuer Verpackung, einen alten Mann der keine Ahnung von den Dingen hat, von denen er redet (Stichwort "Killerspiele"), dessen Phrasen gleich hohl sind ("Wenn's nach mir ginge, müsstet ihr keine Studiengebühren zahlen" - Wer's glaubt...) und der Bayern nicht ändern wird - was dem Willen der Mehrheit der Bürger entsprechen dürfte, deren jede Änderung am System der Staatspartei CSU (die ihre Parteigeschäfte aus den staatlichen Organen heraus erledigt als gäbe es eine Identität von Regierung und CSU und die bei "Skandalen" die Betroffenen nach kurzer Schonfrist wieder reinwäscht, als wäre nichts passiert) zuwider wäre.
Für alle die demokratischen Bürger des Freistaates bleibt als kleiner Lichtblick das jetzige Gerangel von Huber und Seehofer um den Parteivorsitz. Denn egal wer gewinnt am Ende (wohl Huber), der andere und dessen Anhänger werden sich dann verarscht vorkommen und ihre eigenen Intrigen schmieden. So wird ein Parteichef Huber damit zu kämpfen haben, dass die CSU (ihrem Status entsprechend) zur Regionalpartei abgewertet wird, während er in einem Kabinett Beckstein arbeiten muss. Auf der anderen Seite wird ein Parteichef Seehofer damit zu kämpfen haben, dass er als Sozialpolitiker in der CSU (die das "sozial" nur noch trägt, weil eine Umbenennung in Christliche Stoiber Union nicht rechtzeitig vorgeschlagen werden konnte) ziemlich allein unter einem Haufen Neoliberaler sein wird, die, unter Führung des dann unterlegenen Huber, ihm keine Ruhe oder Arbeitsbasis lassen werden.
Selbst wenn Seehofer, was zu erwarten ist, in den nächsten Tagen seinen Schwanz einzieht und seine Kandidatur zurückzieht (um dem armen Parteitag die Last eines demokratischen Verfahrens wie der Wahl eines Vorsitzenden zu ersparen (sowas ist die CSU nicht gewohnt, die immer einig sein will)), so wird er nicht ruhig sein und aus Berlin wohl genüsslich Breitseiten gegen Huber abfeuern, wohl wissend, dass die Basis zu großen Teilen hinter ihm steht (
Übrigens auch die sueddeutsche.de Leser).
Die bayerische Opposition hat währenddessen die Möglichkeiten auf einen Volksentscheid und Neuwahlen zum Landtag als wenig aussichtsreich erkannt. Die BayernSPD hat nach Grünen und FDP beschlossen, diesen Weg nicht weiter zu verfolgen, fordert jedoch weiterhin Neuwahlen. Damit werden sie bei der machterhaltbewussten CSU wohl aber auch weiterhin auf taube Ohren stoßen. Und bei den meisten bayerischen Wählern 2008 sowieso, denn die neigen dazu, der CSU eh alles zu vergeben. "A Hund issa ja scho" eben.