Gestern ereignete sich ein Ereignis, dass in der Geschichte der Münchner CSU lange in Erinnerung bleiben dürfte: Mit einer sonst aus SED-Zeiten bekannten Einmütigkeit beschlossen die Stadträte der CSU Josef Schmid zum Chef zu machen und gleichzeitig Hans Podiuk zu seinem Stellvertreter. Ein Tausch, der sehr einmütig erscheint. Im Schach gibt es dafür die Bezeichnung
Rochade. Doch bleiben wir doch bei den Schachanalogien für eine Minute: Die Rochade ist ein Zug, der dazu dienen soll, den König in Sicherheit zu bringen, er ist also quasi ein Rettungszug, der sonst keinen offensiven Nutzen hat. Es ist also leicht, den vorher besprochenen, nicht sehr demokratischen Ämtertausch als eine solche Aktion anzuziehen. Er soll die CSU davor retten, als uneinig darzustehen und den Kandidaten (den Turm) in eine bessere Position bringen.
Das Problem ist jedoch offensichtlich: Wer heute schweigt, schweigt dennoch nicht lange. Und alle jene, die Zähneknirschend das Ganze mitgetragen haben, lassen sich nicht ewig ruhig stellen. Ausgerechnet ein Kandidat von Stoibers Gnaden soll die sich gern selbst zerfetzende Münchner CSU einen und ein wenigstens nicht noch schlechteres Ergebnis verhindern. Doch die von Podiuk und Schmid aufgetragene Einigkeit ist nur Schein. Die schwarzen Figuren, um beim Schach zu bleiben, sind damit beschäftigt, sich gegenseitig zu bedrohen und dazu noch in der Unterzahl. Und der Turm Schmid dürfte auch nicht so schnell sich in einen König verwandeln. Die Rochade beim Schach tauscht die Position der beiden Figuren...nicht aber ihren Wert. Das Bild passt also ganz gut. Und wenn die jetzt übertriebene Einigkeit demonstrierenden schwarzen Figuren spätestens 2007 wieder beginnen, sich gegenseitig zu schlagen, dann kann es sehr schnell heißen: Schach und Matt.