Am Wochenende wurden in München zwei neue U-Bahnhöfe eröffnet. Um genau zu sein, in Garching, Münchens nördlicher Uni-Ableger-Stadt. In der neuen Endhaltestelle der U6, genannt Garching-Forschungszentrum, hängen zum Gedenken und zur Ehre von vielen bedeutenden Wissenschaftlern, Gedenktafeln. Von Einstein oder Planck zum Beispiel. Und auch von
Messerschmitt und
Dornier, jenen Flugzeugbauern, die die Kriegsmaschinerie der Nazis mit angefeuert haben.
In meinen Augen ist es eine Unverschämtheit, diese beiden Männer zu ehren. Egal welche technischen Leistungen sie erdacht haben mögen, eine Ehrung sollte das Gesamtbild der Person betreffen. Und keiner der Beiden hat eine solche verdient. Durch blanke Profitgier getrieben mussten KZ-Arbeiter und Zwangsarbeiter in ihren Werken bis zum Tode schuften, damit die Nazis möglichst viele Flugzeuge kaufen könnten. Durchgesetzt hat die Ehrung Stoibers Schoßhund, Wolfgang Herrmann, der Rektor der TU München. Und die zuständige Stadt Garching hat sich das gefallen lassen. Selbst winzige, monoton klingende Hinweise (
"Seine Firma baute während des zweiten Weltkrieges Kampfflugzeuge, auch unter Einsatz von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen, von denen viele dabei zu Tode kamen.") an den Tafeln wurden erst nach Widerstand von Opferverbänden und Protestgruppen angebracht. Nicht, dass diese wahrlich nicht sehr kritischen Winzzusätze etwas ändern würden. Auch dadurch wird diese Ehrung nicht weniger als zu einer Farce, die zu ertragen mir schwer fällt. Schwerer noch wiegt, dass meine Genossen das mitgetragen haben. Der Bürgermeister Garchings ist von der SPD und auch Christian Ude, der OB Münchens, nennt die Tafeln zwar "problematisch", schiebt jedoch die Verantwortung von sich. Doch da sie einen MVG-Bahnhof "schmücken", fällt es auch auf München zurück, wen die Fahrgäste beim U-Bahn-Fahren sehen müssen. In diesem Fall hätte er sich stark machen müssen dafür, dass diese Ehrung nicht stattfindet. So fällt dieses Versagen auch auf ihn zurück.