...dann muss der Staat letztere verteidigen. So scheinen die Polizisten in Berlin zu denken.
Denn jene hat Anzeige erstattet. Gegen was? Nun, eine Gruppe Künstler hat eine weibliche Schaufensterpuppe ausstaffiert mit einem Nikolauskostüm, mit Hut und Kreuz. Dazu einen dekorativen Sprengstoffgürtel. Außerdem noch
"Weitere Versatzstücke, die in der Nähe der Figur drapiert sind: eine ausgeschnittene Dollarnote mit dem Aufdruck 'In God we trust' sowie eine Seite aus dem Buch 'Kriminalgeschichte des Christentums' mit dem Zitat des Papstes Calixtus III., in dem er Mohammed einen "Sohn des Teufels" nennt und zur Vernichtung der Muslime aufruft".
Die Aussage ist eigentlich recht klar: Der Papst von heute ist der Grund für Terror von morgen. Hut ab, eine sehr gute Idee in meinen Augen, es beschreibt die Situation ganz gut. Sieht die Polizei in Berlin aber ganz anders. Denn die hat Anzeige erstattet aufgrund des allseits beliebten Gotteslästerungs-Paragraphen des Strafgesetzbuches. Denn sie sieht in freier Meinungsäußerung und Kunst eine Verletzung der religiösen Gefühle. Jedenfalls die eines Polizisten. Und weil seit dem Papst alles anders funktioniert in diesem Land, muss die Skulptur erstmal weg.
Ich hoffe ja nur, dass die Gerichte in Berlin das anders sehen. Wenn jede Kritik an der Kirche und jede Persiflage und Karikatur von der Staatsgewalt verfolgt wird, dann ist das das Ende von freier Meinungsäußerung.
"Das ist indiskutabel" kommentiert Waltraud Schwab zu Recht.