Geschrieben von SoWhy in
Politik for Dummies | Mittwoch, 22. August 2007 |
Vor mehr als 70 Jahren, genauer gesagt 1934, wurde eine gewisse Magnetschwebetechnologie patentiert, die die Basis für den Transrapid ist. 1969 wurde mit Planungen dazu begonnen. Das von Stoiber und Co. mit aller Kraft betriebene Zukunftsprojekt ist also nicht wirklich neu. Sogar ziemlich alt. Seit 70 Jahren hat man in dem Land also diese tolle Technologie und bisher war keiner so dumm mutig, es umzusetzen. Natürlich, man kann jetzt argumentieren, dass halt dem Land ein Stoiber-Typ gefehlt, der mit aller Kraft es anpackt. Mit soviel Kraft sogar, dass die eigene Partei ihn loshaben will ohne ihn verlieren zu wollen. Aber komischerweise ruinierte regierte Stoiber seit 1993 dieses schöne Bayern und erst 10 Jahre nachdem der Flughafen fertig war, kam er auf die Idee, das Problem der fehlenden Fernverkehrsanbindung, das auch schon bei Planung des Flughafens bekannt war übrigens, dort einen Transrapid hinbauen zu wollen. Der löst zwar das Problem nicht wirklich, weil die Leute müssen ja dann immernoch zum Hauptbahnhof, ist aber ein schöner Leuchtturm.
Mit aller Macht hat also der König, mit dem Messer im Rücken noch taumelnd, sich in Berlin dafür eingesetzt, dass dieses Stück bayerischer Leuchtturmtechnik gefälligst vom Bund zu bezahlen sei. Zusätzlich zu den bereits zugesagten 550 Millionen Euro (!) soll der Bund noch 400-500 Millionen drauflegen, weil Bayern nur knapp 300 Millionen zahlen will. Dann rechnet der bayerische Leuchtturm- und Magnetminister Erwin Huber noch (nicht zugesagte und wohl nicht kommende) Zuschüsse aus Brüssel an und eine Beteiligung des Flughafens (gegen den Widerstand des Veto-Mitglieds München) und kommt auf 1,85 Milliarden Euro, welche er für fast komplett zugesichert hält, weshalb er dieser Tage voller Freude durch die Landen zieht und dies verkündet. "Transrapid, olé, fahre mich zum Flughafen, wie schee!" hört man ihn bisweilen in der Staatskanzlei singen - hab ich gehört. Glaubhaft wärs.
Dass das Ganze am Ende wohl eher 2,8 - 3,5 Mrd. Euro kosten wird, davon will die Transrapid-Fan-Fraktion der CSU nichts hören. Zu Recht verhalten sich CDU und SPD zurückhaltend, da etwas konkret zusagen zu wollen: Noch mehr als die bereits zugesagten Millionen kann man dem Bürger nicht wirklich zumuten, wenn man auf der anderen Seite den Ärmsten des Landes die Butter auf dem Brot nicht gönnt.
Die Abendzeitung titelt daher über die neue Euphorie Stoibers zu Recht, dass die Millionen die dann fehlen werden, aus der Tasche der bayerischen Steuerzahler kommen werden. Und nicht aus Privatisierungserlösen, wie man es in der CSU so schön rechnet. Klar, wenn das Tafelsilber mal weg ist, kann mans nicht mehr verkaufen.
Die BILD dagegen freut sich auf den Transrapid, nennt ihn einen "Superzug" und fragt sich, ob er jetzt "endlich" komme. Sollte er wirklich kommen, was nicht zu hoffen ist, prophezeihe ich hier schon mal die Schlagzeile der BILD in 2-3 Jahren, wenn dann die Millionen fehlen: "Unverschämtheit! Prestigeprojekt kostet Steuermillionen!" Das vorherzusagen braucht aber auch keine Fähigkeiten...