Die CSU hat eine interessante Prioritätensetzung, zumindest die Landesleitung (die viele in der Staatskanzlei vermuten). Dieses Wochenende war es ihr wichtiger über
"Domina-Fotos" von Gabriele Pauli sich aufzuregen, als sich mit wichtigeren Problemen zu befassen. Aber dann muss man auch wieder sagen, dass sich mit Problemen befassen noch nie zu den Stärken der CSU gehörte.
In Regensburg, einer der wenigen großen Städte, die bislang noch von einem CSU-Oberbürgermeister regiert werden, wurden dagegen an diesem Wochenende zwei Dinge bewiesen: 1.) Demokratie ist auch in der CSU möglich und 2.) Demokratie ist der CSU nicht geheuer. So musste ausgerechnet das Lager des sehr weit nach rechts lehnenden Stadtrates Thomas Fürst den Parteioberen beweisen, dass man auch gegen den Willen der CSU-Oberen agieren kann. Denn dieses Lager wählte den von Fürst favorisierten Kandidaten Franz Rieger trotz Warnungen von OB Schaidinger und CSU-General Söder zum Kreischef und bewies damit, dass es sehr wohl demokratische Entscheidungen geben kann, auch in der CSU.
Die Wahl Riegers wurde von Söder als "Enttäuschung" bezeichnet, die aus den Führungsriegen gewählten alteingesessenen CSUler wollen 2008 auf einer eigenen Liste antreten, die Partei ist damit in der Hand eines Funktionärs, dessen Politik von der NPD gelobt wird. Das ist nicht ermutigend, aber ebensowenig das Demokratieverständnis der Landes-CSU, die erst glaubte die Sache als unwichtig abzutun zu können, dann sich aktiv Partei ergriffen hat in den internen Angelegenheiten des Kreisverbands und jetzt beleidigt ist, weil die Delegierten, wohl auch einige aus Trotz, es anders gemacht haben.
Die Entscheidung der Alteingesessenen um OB Schaidinger auf einer eigenen Liste anzutreten dagegen ist zumindest konsequent. Es wäre für die CSU ein Todesurteil gleich gekommen, 2008 mit Thomas Fürst auf einer Liste zusammen zu kandidieren, dem man kurz zuvor noch erklärt hatte, dass man nicht mit ihm arbeiten könnte. Der Kreisverband in Hand von Thomas Fürst ist bereits Schande für die CSU genug, die immer betont, mit rechtem Gedankengut nichts zu tun zu haben. Das sehen ihre Mitglieder in Regensburg offensichtlich anders. Die Partei ist düpiert und hilflos und beschäftigt sich mit Frau Pauli anstatt mit solchen Vorfällen. Kein Wunder, dass sowas passiert.