Heribert Prantl ist ein sehr guter Journalist und ich gebe ihm gerne recht, wenn er in seinen Kommentaren Freiheiten und Grundrechte verteidigt. Doch seit einigen Tagen scheint er ein neues Lieblingsthema zu haben: Das Urheberrecht. Beflügelt von der
Milliarden-Klage von Viacom gegen YouTube, erweist er sich in der heutigen SZ als glühender Gefolgsmann der Musik- und Filmindustrie.
Ziemlich einseitig geht er in besagten Kommentar an die Sache heran, zieht die üblichen Vergleiche der Lobbyverbände heran, von wegen alles Diebe, die den Wert geistigen Eigentums zerstören und dabei, so scheint es, wohl auch gleich die westliche Demokratie und alle Werte, die wir so lieben und verehren. Nun will ich in keinster Weise behaupten, dass es richtig sei, Sachen runterzuladen anstatt sie zu kaufen, aber eine Pauschalverurteilung bringt auch keinem was. In seinem Artikel spricht Prantl kurz an, dass nur eine Industrie das Internet zu seinem Vorteil nutzt: Die Erotikanbieter. Leider versäumt er es, daraus die nötigen Schlüsse zu ziehen: Leute zahlen für Pornographie, weil deren Anbieter es verstanden haben, sich den Leuten anzupassen. Man bekommt was man will und nur das, zu niedrigen Preisen, weil die Konkurrenz sehr groß ist.
Das sieht bei Musik und Filmen ganz anders aus: Bei der Musik hat die Industrie jahrelang gejammert, verfolgt, bestrafen wollen, bis Apple mit iTunes kam und in kurzer Zeit 75% Marktanteil bekommen hat, weil sie das boten, was die Leute wollten: Musik, billig und nicht mit drakonischen Maßnahmen "geschützt", die dem Nutzer es unnötig erschwerten, seine gekaufte Musik zu genießen, die aber keinen daran gehindert hätten, sich trotzdem das Ganze kostenlos zu beschaffen. Da waren die Musikkonzerne dann erstmal platt, weil es ja doch geht, das Internet für seine Zwecke zu verwenden. Man musste es nur wollen. Dass übrigens Leute die Musik runterladen viel mehr Musik danach kaufen, ist ebenfalls immer geflissentlich ignoriert worden.
Im Falle der Filmindustrie ist das Aufwachen noch nicht passiert, weil sie nicht sehen will, dass Leute nunmal nicht 15 € oder mehr dafür zahlen wollen, dass sie einen Film runterladen dürfen, den sie dann nichtmal gescheit sehen können, weil er voller DRM ist.
All das spart Prantl in seinem Plädoyer für das Urheberrecht aus und spricht nur über die negativen Auswirkungen des Internets. Er übersieht dabei den wichtigsten Punkt: Das Urheberrecht hat seine Aufgabe und sein Daseinsrecht als Möglichkeit der Kreativen, ihre Werke zu schützen. Es ist nicht Waffe einer Industrie, die Fehler gemacht hat, zur Kriminalisierung unzähliger Menschen. Doch genau dafür wird es missbraucht, damit die Konzernbosse vertuschen können, dass die Leute nicht etwa deshalb Sachen herunterladen, weil sie alles Kriminelle seien, sondern weil ihnen einfach keine vergleichbaren legalen Wege offen stehen. Wer es den ehrlichen Kunden so schwer macht, muss sich auch nicht wundern, dass auch diese irgendwann genug haben. Da hilft auch kein Urheberrecht mehr, Herr Prantl.