Die CSU tut, was sie am besten kann oder besser gesagt, tat es: Nämlich sich selbst zu feiern. Auch ohne dafür Gründe zu haben, war es der königlich bayerischen Staatspartei am politischen Aschermittwoch wichtig, zu zeigen, was ihre Stärke ist: Blinde Treue zum Vorsitzenden bei gleichzeitiger Ausschaltung des Gehirns. So wurde Edmund Stoiber von den selben Leuten, die seinen Rücktritt gefordert haben und immernoch fordern, als Heilsbringer für Bayern jubiliert, dessen Super-Arbeit (aus was diese besteht, ist mir nicht bekannt) das Land vor der Katastrophe gerettet habe. Die JUler hielten Schilder hoch mit "Wir sind Stoiber" (eine Anspielung auf ein anderes nicht demokratisches Staatsoberhaupt), die konservative Basis freute sich wie blöd. Wieso Stoiber dann eigentlich kurz zuvor den Julius Caesar spielen musste, war dann doch nicht so ganz klar. Offensichtlich wollte ihn ja doch keiner loshaben.
Dass Demokratie und menschenwürdiges Benehmen, Anstand und Achtung bei der CSU bei Basis und Vorstand ein Fremdwort sind, zeigte sich dann, als
Gabriele Pauli den Saal betrat. Die "schöne Landrätin" (BILD) aus Fürth, die den Sturz Stoibers dadurch ausgelöst hat, dass sie die undemokratischen Methoden der Staatskanzlei offen aussprach und klar stellte, dass es scheinbar Usus sei, wenn unliebsame Personen ausgespitzelt würden,
wurde von der Basis im tiefsten Niederbayern mit Buh-Rufen und Pfiffen empfangen. Ausgebuht, weil sie es gewagt hat, eine andere Meinung als die Parteiführung zu haben. Man könnte nun die CSU verteidigen und sagen, es war ja nur ein Stammtischpublikum ungebildeter Proleten, denen Manieren und Anstand fremd seien. Aber das würde die Kritik verfehlen. Denn Stoiber und Co., der restliche Vorstand der CSU, genoss diese Demütigung von Frau Pauli und ließ sie einfach gewähren. Niemand in der CSU-Spitze fand auch nur ein Wort dafür, dass ein solches Verhalten sich nicht gehöre oder kommentierte, dass Frau Pauli unter Polizeischutz den Saal verlassen musste. Keiner, kein Stoiber, kein Söder, kein Huber, kein Beckstein, sagte klar, dass ein solches Verhalten einer demokratischen Partei nicht würdig sei. Denn es mag einer demokratischen Partei nicht würdig sein und in einer solchen würde jeder klare Worte dagegen finden. Aber offensichtlich ist es der CSU würdig...
Lesehinweis: Auch Robin kommentiert zu dem Thema.