Selten hat die Phrase "Viel Lärm um Nichts" mehr gepasst als dieser Tage. Eine "Renaissance des Glaubens" sollte es sein, ein Rückbesinnen auf Gott, eine Orientierung der Jugend an den "christlichen Werten". Herausgekommen ist nicht's weiter als ein großes Spektakel ohne weitere Bedeutung. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben den Papst gefeiert wie einen Popstar, doch die Groupies waren nicht weiter redenswert. An der Leopoldstraße bekam jeder, der mochte, noch einen Platz am Gaffgitter, am Marienplatz waren bei der Messe in der Frauenkirche weniger Leute als Touristen an einem normalen Sonntag (siehe dazu
Kommentar bei Don Alphonso, v.a.
dieser Kommentar).
Allein die Münchner Polizei wurde, angestachelt von ihren Oberen, zu Ober-Papst-Fans gemacht, die jede kleinste Kritik am Papst unterdrücken sollten. Und natürlich die Reihe der Arschkriecher Politiker, die im Namen aller sich jede kritische Meinungsäußerung verbitten ließen. Wie könne man es nur wagen, ein Kirchenoberhaupt zu kritisieren, dass sich herablässt, auf unsere Kosten Propaganda zu machen!
Nur wollte augenscheinlich diese Propaganda niemand hören: ARD und ZDF übertrugen parallel die Papstauftritte in München und bekamen damit 2 Millionen Zuschauer...was nicht mal 20% Marktanteil ausmachte. Rechnen wir weiter: 2 Millionen sahen den Papst am Samstag im Fernsehen und weitere 80000 live in der Stadt. Macht 2.080.000 Zuschauer...von 82,5 Millionen Deutschen. Im Klartext: Nur 2,5% der Deutschen haben sich den Papst angeschaut. Jede Meisterfeier des FC Bayern hat mehr Zuschauer. Und die sind häufiger. Auch die päpstliche Messe am Sonntag muss als Reinfall bezeichnet werden: 250000 Leute klingt zwar viel...nur wenn man bedenkt, dass weitere 30000 reingepasst hätten (Minimum), so wurde nicht mal das Minimalziel erreicht, das Gelände vollzukriegen. Die Sonderzüge des MVG fuhren deshalb auch meist fast leer, selbst in der Hauptzeit von 6-9 Uhr waren Sitzplätze zu kriegen.
Unter'm Strich ist also klar, dass der Hype künstlich war, kreiert von Zeitschriften, Zeitungen und dem Fernsehen. Und vollkommen am Willen der Mehrheit des Landes vorbeiging. Allein in München leben dreimal mehr Katholiken als sich das Spektakel wirklich live angesehen haben. Bleibt also zu schließen: Der ganze Zirkus war überhypet und uninteressant. Die öffentlich-rechtlichen haben auf zwei bundesweit verfügbaren Sendern und dem BR ein Spektakel gezeigt, das nur ein Bruchteil der Deutschen (und auch nur ein Bruchteil der Katholiken) wirklich sehen wollte...und alle anderen Fernsehzuschauer dreist ignoriert. Zum Glück ist es jetzt bald vorbei und die BRD kommt wieder zurück auf den Boden der Tatsachen. Einem Boden, wo die Meinungsfreiheit keinen klerikalen Schranken unterliegt.
edit:
Dazu passend,
Klaus Stuttmann: