Ich habe den
Gastbeitrag von Tom jetzt knapp 5 Tage unkommentiert gelassen. Eine Reihe von Menschen hat den Link durch das Web gesandt und ich habe Hits bekommen von Seiten, die ich noch nie vorher gesehen habe. Danke an alle, die dazu beigetragen haben erst einmal. Es ist wichtig, dass solche Artikel verbreitet werden.
Ich wollte eigentlich auch nicht viel mehr dazu sagen, ich denke der Text spricht für sich. Aber nun gut.
Mit dem Patriotismus ist das schon so eine Sache. Deutschland hat, durch seine Geschichte, nicht nur durch das dritte Reich, aber auch davor, durch den Über-Hype-Patriotismus des Kaiserreichs und der davor liegenden Zeit Nonexistenz als Staat ein gestörtes Verhältnis dazu. Und wenn etwas gestört ist, so schwenkt es leicht in die Extremen. Ich habe kein Problem damit, wenn jemand schwarz-rot-gold im Stadion oder sonst wo beim Fußballgucken schwenkt oder die Nationalhymne singt. Ich tue das auch, halt die Italienischen Äquivalente, weil ich international halt Italien-Fan bin. Nur darf und kann man sich darauf nichts einbilden. Der Geburtsort eines Menschen ist so zufällig wie seine Hautfarbe oder ethnische Herkunft. Ich kann nicht ändern, wo ich geboren wurde. Also kann ich auch nicht wirklich stolz darauf sein, dass ich hier geboren wurde. Wo war denn meine Leistung dabei? Dass ich mein Heimatland anfeuere ist klar. Dass ich aus diesem Anfeuern eine Überlegenheit folgere, nicht ganz so. Wenn also ein paar Ewiggestrige meinen, die neue Welle des Patriotismus könne man dafür nutzen, alten Hass und Vorurteile wieder auszubuddeln, dann muss denen entschieden die rote Karte gezeigt werden. Das Desinteresse bzw die Teilnahmslosigkeit der Passanten in Toms Bericht zeigt genau, wie es nicht sein darf.
Die Politik, allen voran unser "neuer" Bundespräsident Horst Köhler meinen, sie müssten den Patriotismus fördern, es sei an der Zeit, dass Deutschland ein "gesundes Selbstbewusstsein" entwickle. Als ob das nicht schon existieren würde. Aber es ist klar, wenn der deutsche Michel seine Fahne schwenkt und nur an Ballacks Wade denkt, dann kann ihm die Regierung unterjubeln was sie will. Und das tut sie auch prompt.
In 2 Wochen ist der Spuk auch schon wieder vorbei, zum Glück. Wenn Deutschland spätestens im Viertelfinale an Argentinien scheitert, auch früher. Dann verschwinden die Fahnen wieder im Schrank und die Patriotismus-Euphorie ist wieder vergessen. Und dann lassen sich neofaschistische Denkweisen nicht mehr unter dem Deckmantel des Patriotismus oder des Vaterlandsstolz verbreiten. Aber nur weil sie dann weniger offen auftreten werden, verschwinden diese Denkweisen leider nicht. Dann ist es die Aufgabe aller und vor allem der Politik, entschieden gegen jede Art solches Denkens vorzugehen. Und das beginnt schon bei Kleinigkeiten wie Vorurteilen gegenüber Ausländern ("die Polen klauen" etc). Jeder von uns sollte auch auf solche Kleinigkeiten reagieren und seinen Gesprächspartner darauf hinweisen. Denn Hass entwickelt sich meist auch aus Indoktrination. Wer sein Leben lang hört, dass der Pole Autos klaut, der ist anfällig, das zu glauben, weil er nie was anderes gehört hat...